Terrarium aus Acrylglas: Die vielen Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten

Ein kleiner Junge steht vor einem Terrarium aus Glas oder Acryl
Terrarien aus Glas oder Acryl ermöglichen spannende Einblicke in das Innere. Foto: galitskaya/bigstockphoto.com

Zu herkömmlichen Glas bildet das Acrylglas in nahezu allen Lebensbereichen eine tolle Alternative. In diesem Punkt bilden auch Terrarien keine Ausnahme. Besonders für diejenigen, die ihr neues Terrarium selber anfertigen und zusammenbauen möchten, um es perfekt auf die individuellen Bedingungen und Anforderungen anzupassen, sind mit der Verwendung von Acrylglas gut beraten. Ein Acrylglas Zuschnitt nach Maß ist nämlich unkompliziert möglich. Wodurch sich das besondere Kunststoffglas auszeichnet und welche Eigenschaften es aufweist, die bei einem Terrarium eine Vielzahl von Vorteilen bietet, zeigt der folgende Beitrag.

Acrylglas – Was ist das überhaupt?

Andere bekannte Bezeichnungen für Acrylglas sind Kunstglas oder Plexiglas. Es handelt sich bei Acrylglas um kein Glas im eigentlichen Sinne, sondern um eine Scheibe aus Kunststoff, die transparent ist. Anders als normales Glas wird das Acrylglas also aus Kunststoff hergestellt.

Die bekannteste Handelsbezeichnung für Acrylglas ist Plexiglas. Wenn von Plexiglas gesprochen wird, ist allerdings eigentlich lediglich der Name der Acrylglas-Marke des Unternehmens Evonik Röhm GmbH gemeint. Mit dem Namen Plexiglas ist somit im Grunde nur eine spezielle Ausführung des Acrylglases gemeint.

Die allgemeine Bezeichnung für PMMA, die unabhängig von dem jeweiligen Hersteller verwendet werden kann, ist Acrylglas. PMMA ist dabei die exakt korrekte chemische Bezeichnung für das aus Acryl hergestellte Glas und bedeutet Polymethylmethacrylat. Die Herstellung des durchsichtigen Kunststoffes findet bereits seit Ende der 1920er Jahre statt.

Plexiglas Terrarium

Der Einsatzbereich von Acrylglas

Das Acrylglas ist besonders schlagfest und bruchsicher, weshalb es in einer Vielzahl von unterschiedlichen Branchen gerne eingesetzt wird. Das transparente Kunststoffglas wird im Bereich der Medizin, der Industrie und überall dort, wo ein Glasersatz sinnvoll ist, genutzt.

Besonders den Heimwerkern ist Plexiglas als Glasalternative ein vertrauter Begriff. Gerne wird das Acrylglas verwendet, um im Garten das Gewächshaus abzudecken oder Fenster zu verglasen. Acrylglas wird darüber hinaus auch für Bilderrahmen, Raumteiler, Duschabtrennungen, Firmenschilder, die Nutzung als Werbefläche und den Bau von Fassaden verwendet. Im Bereich der Medizin werden aus dem Kunststoff Elemente für die Zahnmedizin, Gläser für Brillen, Kontaktlinsen oder Prothesen hergestellt. Doch auch im eigenen Haushalt finden sich zahlreiche Gegenstände aus Acrylglas, wie zum Beispiel Gewürzmühlen, Salatschüsseln – oder eben auch Terrarien.

Verschiedene Verwendungen von Acryl- und Normalglas

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Eigenschaften von herkömmlichem Glas und Acrylglas. Dadurch ergeben sich zahlreiche Vorteile gegenüber echtem Glas, von denen besonders Terrarien-Besitzer profitieren können. Bei der Entscheidung, für oder gegen ein Terrarium aus echtem Glas beziehungsweise Acrylglas sollten diese Eigenschaften einbezogen werden.

Herkömmliches Glas besteht, anders als das Acrylglas, aus brüchigem und weichem Glas, welches fachlich korrekt Kalk-Natron-Glas genannt wird. Dabei handelt es sich um die Sorte von Glas, die am weitesten verbreitet ist. Wird Echtglas beispielsweise bei Bilderrahmen verwendet, bestehen diese in der Regel aus Floatglas, welches circa 1,7 Millimeter dick ist – dabei handelt es sich um Flachglas, das speziell behandelt wurde. Diese spezielle Ausführung des Flachglases wird häufig auch für Fensterglas oder Spiegel genutzt. Normalglas wird darüber hinaus auch bei Verpackungen von Lebensmitteln, der Herstellung von Flaschen oder Trinkgläsern verwendet. Anders als das Normalglas hat das Acrylglas den großen Vorteil, dass es wesentlich dichter und bruchsicherer ist, sowie ein geringeres Gewicht mit sich bringt.

Die Reinigung von Acrylglas

Die Oberfläche von Plexiglas beziehungsweise Acrylglas ist äußerst empfindlich. Um das Kunststoffglas gut zu pflegen und somit lange Freude daran zu haben, sollte es stets mit einer gewissen Vorsicht gereinigt werden. Wenn das Kunststoffglas trocken gesäubert wird, können Kratzer durch kleine Staubpartikel hervorgerufen werden. Daher ist es nötig, Scheiben aus Acrylglas stets feucht zu wischen.

Spezielle Tücher aus Mikrofaser sind für die Reinigung von Acrylglas am besten geeignet. Diese müssen mit lauwarmem Wasser, das mit einem haushaltsüblichen Spülmittel versetzt ist, angefeuchtet werden. Anschließend kann die Platte aus Acrylglas feucht gereinigt werden.

Die Verwendung eines antistatischen Kunststoffreinigers ist ebenfalls sinnvoll. Diese Reiniger sind auf die Säuberung von Kunststoffen speziell ausgelegt. Vermieden werden sollten dagegen chemische und sehr scharfe Reiniger, da diese die Oberfläche des Kunststoffes angreifen und zu Schäden führen können. Abzuraten ist darüber hinaus ebenfalls von lösungsmittelhaltigen Putzmitteln, wie beispielsweise Aceton, Glasreiniger oder Nitro, oder solche Mittel, die scheuernd oder weichmachend sind. Für Acrylglas sollten stets milde Mittel zur Reinigung gewählt werden. Ein guter Tipp ist es, vor Beginn der Reinigung auf einer kleinen und unauffälligen Stelle zu testen, ob das jeweilige Mittel geeignet ist.

Wenn auf dem Acrylglas doch einmal kleine Kratzer auftauchen, können diese in Eigenregie wieder entfernt werden. Zu diesem Zweck sind spezielle Hand-Polierpasten im Handel erhältlich.

Diese Vorteile bietet das Glas aus Acryl

Wie bereits erwähnt, bietet Acrylglas einige ausschlaggebende Vorteile, die besonders den Einsatz als Glas für Terrarien empfehlenswert machen.

Bruchfestigkeit

Zum einen ist das Acrylglas sehr bruchfest. Das Acryl ist schlagfest, wodurch es äußerst langlebig und kaum zu zerbrechen ist. Bei normalen Glas sieht dies natürlich anders aus. Dieses reagiert sehr empfindlich auf Erschütterungen, bricht und reißt schnell und kann zersplittern, wodurch schwere Verletzungen hervorgerufen werden können.

Leichtes Gewicht

Zum anderen ist Acrylglas sehr leicht. Dieses leichte Gewicht ist auf die höhere Dichte von Acrylglas gegenüber herkömmlichen Glas zurückzuführen. Besonders, wenn das Terrarium auf einem Regal, dass an der Wand hängt, platziert werden soll oder es öfters den Platz wechselt beziehungsweise transportiert werden muss, ist dies äußerst praktisch.

Unempfindlichkeit

Ein weiterer Vorteil von Acrylglas besteht darin, dass es sehr unempfindlich gegenüber Witterungseinflüssen ist. Egal, ob Hagel, Regen, Schnee, Eis oder extreme Hitze – all‘ das kann dem Material keinen Schaden zu fügen. Die Hitze- und Frostbeständigkeit macht es möglich, das Terrarium aus Acrylglas auch im Freien aufzustellen, ohne, dass das Kunststoffglas darunter leidet.

UV-beständig und lichtdurchlässig

Eng verbunden damit ist auch die UV-Beständigkeit und Lichtdurchlässigkeit des Acrylglases. Die Durchlässigkeit für Licht beträgt bei dem Acrylglas ganze 92 Prozent – dies ist ein höherer Wert, als bei herkömmlichem Glas. Gegenüber UV-Strahlung weist das Acrylglas eine hohe Stabilität auf. Die Strahlung wird durch das Material absorbiert, wodurch besonders Terrarien für Tiere, die auf spezielle Lichtverhältnisse angewiesen sind, profitieren.

Hoher Sicherheitsaspekt

Anders als normales Glas ist die Schnittkante von Acrylglas relativ stumpf und ungefährlich. Es ist kaum möglich, sich an der Kante zu schneiden. Dennoch ist es empfehlenswert, die Kanten, nachdem die Platte aus Acryl bearbeitet wurde, ordentlich mit einer Politur zu bearbeiten. Steht das Terrarium in einem Kinderzimmer, so ist der Sicherheitsaspekt, der von dem Acrylglas aus wegen seiner Bruchfestigkeit ausgeht, ein wichtiger Punkt.

Einfache Anpassbarkeit

Das Acrylglas kann individuell auf alle besonderen Bedürfnisse und Anforderungen angepasst werden. Erhältlich ist es nämlich sowohl als undurchsichtiges, halbtransparentes oder komplett durchsichtiges Glas, wie auch in einer gewünschten Färbung.

Anpassbar ist darüber hinaus auch die Durchlässigkeit für Wärme, wodurch das Terrarium auf die speziellen Bedürfnisse seines Bewohners perfekt zugeschnitten werden kann. Die Verarbeitung kann dabei auf viele unterschiedlichen Arten ausgeführt werden. Gießen, Kleben, Bohren oder Zuschneiden des Acrylglases sind einfach und unkompliziert möglich.

Doch natürlich hat alles im Leben zwei Seiten – so ist auch das Acrylglas nicht komplett von einigen Nachteilen befreit. Es weist zwar eine sehr hohe Stabilität und Robustheit auf, allerdings ist die Oberfläche des Plexiglases sehr anfällig für Kratzer. Alleine bei der Reinigung des Materials ist es möglich, dass kleine Kratzer oder Aufrauhungen entstehen können. Daher ist es kaum vermeidbar, dass im Laufe der Zeit einige Verkratzungen auf der Oberfläche entstehen.

Dadurch, dass sich das Glas aus Kunststoff schnell elektrostatisch auflädt, wird Staub sehr schnell von dem Material angezogen. Dadurch wird es nötig, das Acrylglas in regelmäßigen Abständen zu reinigen und abgesetzten Staub zu entfernen. Da sich die Reinigung mit Hilfe eines Mikrofasertuches aber recht einfach gestaltet, ist dieser Nachteil eher zu vernachlässigen. Dennoch muss, um ein Zerkratzen des Kunststoffglases zu vermeiden, dabei vorsichtig vorgegangen werden.

Ein eigenes Terrarium aus Acrylglas bauen

Menschen, die ihr Hobby in der Terraristik gefunden haben, wissen, dass der Bau eines Terrariums in Eigenregie sehr faszinierend und erfreulich sein kann. Wenn ein Terrarium selbst gebaut wird, nutzen viele Hobbybastler als Material OSB Holz. Allerdings stellt Acrylglas dazu eine tolle Alternative dar. Aus Platten aus Acrylglas kann für verhältnismäßig wenig Geld ein tolles Terrarium geschaffen werden, das von den Vorteilen des besonderen Materials profitiert.

Für den Bau des Terrariums werden die folgenden Materialien benötigt:

  • Durchsichtiges Paketband
  • Silikon für das Acrylglas
  • Acrylglasscheibe mit einer Dicke zwischen 5 und 10 Millimetern
  • Spanplatte mit einer Dicke von 30 Millimetern, welche die gleichen Maße wie die Scheibe aus Acrylglas aufweist
  • Seitliche Scheiben aus Acrylglas, sodass insgesamt vier Stück vorhanden sind
  • Herkömmliches Werkzeug

Am Anfang des Terrarien-Baus steht die Bearbeitung der Acrylglasscheiben. Im Abstand von 10 Zentimetern werden im unteren Bereich Löcher gebohrt. Danach folgt das Verschrauben der ersten beiden Scheiben aus Acrylglas mit der Spanplatte. Empfehlenswert ist es, hierzu eine lange und eine kurze Seite zu nutzen und den benötigten rechten Winkel zu beachten.

Danach wird die Scheibe aus Acrylglas, welche die gleichen Maße aufweist, auf die Spanplatte gelegt. Dann folgt das Montieren der zwei verbleibenden Acrylglasscheiben. Mit Hilfe des durchsichtigen Klebebandes werden von außen die Kanten sicher abgedichtet. Die Abdichtung von innen erfolgt an den Ecken und Rändern mit Silikon. So ist es nicht möglich, dass Dreck oder Flüssigkeiten aus dem Terrarium nach außen gelangen.

Besonders für die Haltung von Schildkröten ist das Terrarium aus Acrylglas sehr gut geeignet, ebenso für die Zucht von Bartagamen oder Leopardgeckos. Auch als Quarantäne-, Transport-, oder Übergangsterrarium erweist es wertvolle Dienste. Nach oben hin ist diese Ausführung des Terrariums allerdings vollständig geöffnet, wodurch viel Feuchtigkeit aus der Luft entweicht. Ein Regenwald- oder Tropenterrarium kann auf diese Art also nicht gestaltet werden.

Über Marvin 139 Artikel
Der Autor beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Haltung von Reptilien und schreibt darüber und zu zahlreichen Terraristik-Themen in diesem Blog.

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